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Moskau die heilige Nutte -
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Moskau - die_heilige_Nutte

Ihre Zahl ist mir unbekannt, aber ins Verhältnis zur Größe gesetzt, dürften sich in Moskau kaum weniger christliche Gotteshäuser finden als in dem heiligen Rom. Hätte man in dem Sinne auch Moskau eine heilige Stadt zu nennen? Wäre das andere nicht, so müsste man die Frage bejahen.

„Das andere“, das ist der mächtige architektonische Abdruck, den Stalin in der Stadt hinterlassen hatte, und heute der Glitzer, der Glamour, mit dem sich in Moskau der Kapitalismus hemmungslos inszeniert hat.

Das heilige Moskau, es ausgelöscht haben sie beide nicht, der Sozialismus, will sagen Stalinismus so wenig wie der Kapitalismus, will sagen Putinusmus. Stalin wird keine Affinität zum christlichen Glauben nachgesagt, und seinem architektonischen Ehrgeiz musste so manche Kirche, Kapelle, ja, sogar der berühmte Christus-Auferstehungs-Dom weichen, aber er „reinigte“ Moskau nicht von den zahllosen Gebetshäusern aus dem „feudalistischen Erbe“ der Stadt.

Auch Putin und seine Statthalter in Moskau sind gewiss keine gläubigen Christen, aber zynischerweise sind es heute gerade sie, die in Russland die Volksfrömmigkeit neu beleben, fördern, ja, und dazu auch die Gebetsstätten des Glaubens frisch herausputzen. Putin ließ sogar den von Stalin zerstörten Auferstehungsdom aufwendig rekonstruieren. Er folgte darin einer „Weisheit“ der Zaren: Volksfrömmigkeit sichert Unterwürfigkeit.

Das heilige Moskau, von Stalin geduldet, von Putin zur Herrschaftsverfestigung missbraucht, sprich zur Nutte gemacht.

Aberwitzig, wie sich Moskau heute mit den architektonischen Widersprüchen aus seiner Geschichte der letzten siebzig, achtzig Jahre den Augen des Fotografen zeigt.


, Mai 2010



Der Rote Platz
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